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Auf Terroranschläge reagieren

Im Jahr 2020 gab es bereits mehrere Terrorakte in Europa, beispielsweise in Villejuif und Metz in Frankreich, in Hanau und in London. Die Flut der Vorfälle zeigt, dass noch viel zu tun bleibt, um anfällige Personen in Europa vor einer Radikalisierung zu bewahren. Bei vielen unserer Interventionen geht es um frühzeitige Prävention. Wir versuchen, anfällige Personen und junge Menschen zu erreichen, lange bevor sie eine Gewalttat begehen. Allerdings müssen wir wachsam bleiben und uns mit der Möglichkeit, ja vielleicht sogar der Gewissheit auseinandersetzen, dass es auch in Zukunft Terroranschläge geben wird. Wie wir auf solche Anschläge reagieren, ist entscheidend, um zu verhindern, dass durch solche Ereignisse weitere Menschen radikalisiert werden.

Ein Terroranschlag hat größere Auswirkungen als den Verlust von Leben und Trauer bei den Angehörigen der Opfer. Er soll Menschen und Gemeinschaften in Angst und Schrecken versetzen und die Bevölkerung terrorisieren.

Terroristische und extremistische Gruppen nutzen derartige Vorfälle, um die Beweggründe dahinter für sich zu beanspruchen, die Verantwortung dafür zu übernehmen oder sich daran zu orientieren. Dadurch veranlassen sie andere extremistische Gruppen, darauf zu reagieren. Ein Terroranschlag dient terroristischen und extremistischen Gruppen also als Aufhänger, um online und in bestimmten Gemeinschaften sich gegenseitig stützende Narrative zu verbreiten. Die umfassende Berichterstattung in den Medien und die unzähligen Kommentare im Netz bieten ihnen eine Plattform, um zahlreiche Adressaten zu erreichen.

Bei einem Anschlag wird immer nach Schuldigen und einfachen Antworten gesucht. Die Menschen gehen in die Defensive. Im Internet und in den Medien verbreitete Geschichten nach dem Motto „wir gegen sie“ können dazu beitragen, ganze Gemeinschaften zu stigmatisieren. Eine solche Atmosphäre der Spannung und Spaltung dient als Nährboden, auf dem terroristische und extremistische Gruppen weitere AnhängerInnen finden und radikalisieren.

Wie wir während und unmittelbar nach einem Terroranschlag reagieren, ist daher entscheidend, um terroristische und extremistische Organisationen möglichst daran zu hindern, die Vorfälle für sich zu nutzen. Mit der richtigen Reaktion können wir die Auswirkungen auf die Gemeinschaften reduzieren und potenziell anfällige Personen schützen. Kurzfristig kann dies die Wahrscheinlichkeit von Nachahmern oder Vergeltungsmaßnahmen senken. Langfristig können wir so die Zahl der möglichen RekrutInnen gering halten.

Daher sind strategische Mitteilungen als Reaktion auf einen Anschlag entscheidend, um die Öffentlichkeit zu beruhigen, die Angst vor weiteren Angriffen zu verringern oder zu zerstreuen, Falschmeldungen und Fehleinschätzungen zu widersprechen sowie dem Narrativ der Extremisten etwas entgegenzusetzen. Wenn wir nicht kommunizieren, tun es andere. Extremistische Gruppen, die Medien, die Behörden, Nutzer der sozialen Medien und viele andere konkurrieren um die Aufmerksamkeit der Allgemeinheit. Wir müssen uns in diesem Stimmengewirr Gehör verschaffen.

Die Art und Weise sowie die Geschwindigkeit unserer Reaktion müssen wohlüberlegt sein. Sie erfordert gemeinsame Bemühungen, und zwar nicht nur von den Behörden und Notfalldiensten, sondern auch von den Gemeinschaften selbst.

ls praktisch Tätige an vorderster Front, Organisationen, die Interventionen durchführen, und Schlüsselpersonen von Gemeinschaften haben wir den Zugang, die Glaubwürdigkeit, das Vertrauen und auch die Pflicht, dafür zu sorgen, dass wir miteinander kommunizieren und uns austauschen.

Es ist wichtig, während eines Terroranschlags mit den Behörden und den Medien zusammenzuarbeiten, um Verständnis für die Auswirkungen der staatlichen Reaktionen auf sowie der Medienberichte über den Vorfall auf die Gemeinschaften und anfällige Personen zu schaffen. Offene Kommunikationswege können sich positiv auf die Reaktion auswirken und dafür sorgen, dass die Bedürfnisse der betroffenen Gemeinschaften berücksichtigt werden.

Über unsere bestehenden Netzwerke können wir glaubwürdige, gemäßigte und positive Äußerungen aus verschiedenen Gemeinschaften identifizieren, fördern und ihre Verbreitung unterstützen, um auf Spaltung ausgelegten Narrativen im Internet und in den Medien etwas entgegenzusetzen. Solche Menschen können motivieren und entwaffnen. Sie können Führungsstärke zeigen, indem sie sich selbstbewusst und bestimmt äußern, sie können sich solidarisch zeigen, indem sie auf betroffene Gemeinschaften zugehen, und sie können die Allgemeinheit beruhigen, indem sie terroristische und extremistische Sichtweisen anprangern.

Vorbereitung ist essenziell. Die Beziehungen, die wir aufbauen, die Netzwerke, die wir sowohl in den Gemeinschaften als auch mit den Behörden knüpfen, sowie die Plattformen und Kanäle, die wir online und offline schaffen, werden es uns ermöglichen, adäquat zu reagieren. Diese Netzwerke und Plattformen werden uns helfen, die Gemeinschaften zusammenzubringen, und dazu beitragen, die Reaktion zu steuern.

Weitere Artikel

Praktisch Tätige und Fachleute sprechen in einem Film über diese und andere Themen. Weitere Informationen zur Kommunikation nach einem Anschlag finden Sie in dem RAN-Ex-Post-Beitrag „Kommunikation nach einem Anschlag“. Auch das GAMMA+-Modell ist hier hilfreich. Die RAN-Arbeitsgruppe „Communication and Narratives“ (RAN C&N) hat praktische Leitlinien für die Durchführung effektiver Kampagnen für alternative und Gegen-Narrative entwickelt.

Video: Auf einen Terroranschlag reagieren

Praktisch Tätige sprechen über die Rolle der Zivilgesellschaft bei Interventionen in Gemeinschaften unmittelbar nach einem Terroranschlag.

Video: Nach einem Terroranschlag

Praktisch Tätige sprechen über die Rolle der Zivilgesellschaft bei Interventionen in Gemeinschaften unmittelbar nach einem Terroranschlag.

Verfasst vom RAN

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